Kleine Presseschau, Kalender-Woche 18: Gio im “Standard”, Kurt in der “Krone” und Mitzi im “Kurier”

Springen wir doch gleich mitten ins muntere Geschehen, was die Printmedien in der abgelaufenen Woche an Kuriosem aber auch Wissenswertem so zu bieten hatten:

1) Der Standard, 5.5., Seite 10, Notizen: “Strassers Büro in Brüssel wurde durchsucht”. Hier beschenkt uns die Redaktion mit der – abgeschriebenen – APA-Meldung, in der man folgendes erfährt: “Schriftliche Unterlagen und Datenträger wurden gefunden.” Awageh. Und das in einem Büro!

2) Der Standard, ebenfalls 5.5., Seite 11, “Parteichefin mangels Plan B”. Hier handelt es sich wirklich um eine spannende Information und offenbart an einem simplen Beispiel eines der Hauptprobleme der Wiener ÖVP-Chefin Christine Marek: Auch eineinhalb Jahre nachdem sie die Partei von ihrem Vorgänger Johannes “Gio” Hahn übernommen hat, heißt der große Konferenzraum der Wiener ÖVP noch immer “Café di Gio”.

Wann man bedenkt, dass Politik sehr viel mit Symbolik und Vermarktung zu tun hat eine unfassbare Nachlässigkeit und ein bedenkliches Zeichen mangelnder Leadership-Qualität von Marek. Es müsste ja nicht gleich wieder etwas mit ihrem Namen sein – da leidet dann wieder ihr vermutlich bald schon anklopfender Nachfolger drunter. Aber irgendwas neutral-bürgerlich/ wienerisches wie zB. “Salettl” oder so wäre nach 18 Monaten Parteiführung eigentlich drin gewesen.

3) “Kronen Zeitung”, 7.5., Seiten 4 & 5: “40 Jahre Österreich-China: Wie es begonnen hat”. Krone-Schreiber Kurt Seinitz lässt zum Glück keine Gelegenheit aus, auf seine Großartikeit und seine Bedeutung hinzuweisen – und wir danken ihm dafür! 1971 war er offensichtlich Teil einer Delegation von Bruno Kreisky nach China (ein privates Foto von Seinitz zeigt uns den damals jungen Zeitungs-Hupfer auf Seite 4 der “Krone”) und durfte um Mitternacht drei Stunden lang “den legendären” Ministerpräsidenten Zhou Enlai interviewen. Leider erfahren wir nicht, ob das Interview exklusiv war – ein ärgerliches Versäumnis des Autors. Aber wir bekommen vermittelt, dass es sich es sich um ein “…in seiner Offenheit kaum noch zu überbietendes Gespräch…” gehandelt hat. Kurt Seinitz: was wäre die heimische Außenpolitik ohne ihn?!

4) “KURIER”, 7.5., Seite 9: “Schröpfen Leistungsträger zu sehr”. Neo-Finanzministerin Maria Fekter im ersten großen Interview und sie offenbart, dass ihr für eigene Gedanken noch nicht viel Zeit geblieben ist. “…Kein Staat ist ein guter Unternehmer…” sagt sie. Ich vermute, dass diese Worthülse Absatz 1 in jedem ÖVP-Kader-Leitfaden, Kapitel “Die Wirtschaftskompetenz der ÖVP” ist. Es stimmt schon, dass es genug Staatspleiten und Pleiten staatlicher Unternehmen in der Geschichte der öffentlichen Wirtschaft gegeben hat.

Aber gerade die seit Jahren dauernde Weltwirtschaftskrise hat bewiesen, dass auch sehr viele private Unternehmen (erinnert sich noch jemand an “Lehman Brothers”…?) dilettantisch geführt wurden und es gerade ohne staatliche Unterstützung viele private Unternehmen nicht mehr gäbe. Also, Frau Fekter: zurück an das Bücherregal mit den ökonomischen Klassikern (es muss nicht unbedingt bis Adam Smith zurück sein, Schumpeter und Keynes reichen schon) und dann bitte ein paar zukunftsweisende Konzepte vorlegen, die mal ein paar neue Gedanken enthalten.

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